Kategorie: Information

AID-Pumpe 780G mit dem G4 von Medtronic

Die AID-Pumpe 780G mit dem G4 von Medtronic (Automatische Insulin-Dosierung) war Gegenstand unserer Gesprächsrunde. Da Einige von uns das System schon tragen und mehr oder weniger zufrieden sind, gab es über Fehlerquellen und Umgang mit der Pumpe einen großen Erfahrungsaustausch. Über Stellschrauben des Systems und dem Algorithmus wurde viel gesprochen. Tipps, wie es besser funktionieren kann, wurden weitergegeben. Den Interessenten wurde die Funktion des AID-Systems erklärt. Wichtig ist zum Beispiel die Zeiteinstellung der Insulinwirkdauer (Zeit der aggressiven Insulinwirkung), KH-Faktoren und bevor man die Automatik einstellt: eine funktionierende Basalrate und die passenden KH-Faktoren. Eventuell vor Inbetriebnahme der Automatik alles nochmals austesten. Die Automatik braucht eine Zielwert-Eingabe, damit sie auf diesen Wert hinarbeitet. Zielwerte können sein: 100/110/120 mg/dl, 5,5/6,1/6,7 mmol/l. Auch eine Sicherheit für Sport und andere Aktivitäten wie Tanzen oder Putzen oder Wandern ist eingebaut. Dann kann man den Zielwert temporär auf 150 mg/dl, also 8,3 mmol/l einstellen.

Und die Frage kam: Warum zieht die Pumpe bei Angabe vom Essenbolus manchmal etwas Insulin ab. Das ist dann der Algorithmus. Aber weil kein Mathematiker bei unserer Gruppe dabei war, konnte das nicht komplett erklärt werden.

Ganz wichtig: wenn es gar nicht funktioniert, dann muss die Automatik ausgestellt werden. Alles nochmal auf Anfang und die KH-Parameter überprüfen. Dann wieder einschalten und neu lernen lassen.

Voraussetzung für ein funktionierendes System ist: Immer vor dem Essen den Bolus eingeben. Damit die Pumpe weiß, jetzt geht der BZ wegen Nahrungsaufnahme hoch. Und sollte wirklich mal zu tiefer Zucker sein, soll man keine Hypo-BE eingeben. Ca.20 Teilnehmer tauschten sich aus.

Solo Pumpe von Roche

Auf dem Insulinertreffen 2023 in Coesfeld interessierten sich 10 Insuliner für die schlauchlose Pumpe von Roche. Seit kurzem erst im Verkauf trägt sie noch keiner von uns. Aber eine Demo-Pumpe war vorhanden. Katheter, Reservoir, Gehäuse und das Teil zum Bedienen lagen vor uns. Und natürlich eine Bedienungsanleitung.
Sehr interessant ist, dass man die Pumpe abkoppeln kann. Der gefüllte Pod kann abgenommen und wieder angeklemmt werden. Gut für Saunagänger und Wellnessliebhaber. Das geht bei anderen schlauchlosen Pumpen nicht.
Jedenfalls war es sehr interessant. Das ist das Wunderbare am Insulinertreffen: Wir lernen immer etwas Neues und es gibt einen ehrlichen Erfahrungstausch.

Der Diabetiker im Krankenhaus

Es trafen sich 17 Teilnehmer auf dem Insulinertreffen in Coesfeld, um sich über die Sondersituation Krankenhaus auszutauschen. Dabei stellten wir fest, egal wie gut wir uns vorbereiten – es kann alles super klappen oder alles schiefgehen. Krankenhauspersonal, ob Arzt, Stationsschwester, Cateringpersonal oder MA der Diagnostik wissen selten über Typ1/Typ3c Bescheid. Und über Insulinpumpen noch seltener. Eventuell wissen sie mit der Sensortechnik umzugehen und finden die Info über aktuelle Sensorglucose gut.

Noch dramatischer kann es (nicht muss) bei ungeplanten Ereignissen wie Unfällen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen werden. Da wir ohne Insulin nicht leben können, müssen wir uns etwas einfallen lassen, um dies erkennbar zu machen. Vorschläge kamen:

Erklärung über unseren besonderen D1/D3c, eine kurze Ausführung in 2 Sätzen und den Medikamentenplan im Portemonnaie/Kleidung/Taschen dabei zu haben. Auf alle Fälle eine Kontakttelefonnummer von jemandem, der über uns genau Bescheid weiß. Empfehlung: einen von uns INSULINERN bitten, im Notfall zu helfen.

Zusätzlich kann man noch eine Telefonnummer von einem Rechtsanwalt UND vom Redakteur der Regionalpresse, Zeitung oder Rundfunk/Fernsehen dabei haben. (Vor STERN und BILD haben die Krankenhäuser sogar noch mehr Respekt, also einen Kontakt besorgen!)

Und sollte man „Aus Versehen“ im Altenheim landen, dann wäre es sehr ratsam, vorher einer Vertrauensperson mit Mut und Tatkraft eine Vollmacht für diese Situation ausgestellt zu haben.

Lieferengpässe – auch bei Messsensoren

Von (temporären ?) Lieferengpässen bei bestimmten Insulinen wurde hier ja mehrfach berichtet.
Auch bei anderen Medikamenten gibt es bekanntlich Lieferengpässe. Wenn der/die ApothekerIn aber einmal zunächst eine lange Verzögerung androht, aber nach Sturheit des Bestellers doch am nächsten Tag liefert, fragt sich der Patient, ob damit vielleicht alternative Lagerbestände vorrangig an den Mann gebracht werden sollten.
Der Vollständigkeit halber 😞 hört man von Lieferengpässen nun aber auch bei Messsensoren:
So ist bei Medtronic die schöne Zeit, als ausgefallene Sensoren binnen 2 Tagen an die Wunschadresse ersetzt wurden, erst einmal Vergangenheit. Und wenn man dann eine Woche nach Reklamation serienweise ausgefallener Sensoren nachfragt, wo der Ersatz bleibt, kommt die Rückfrage, wieviel Sensoren man noch vorrätig habe. Hat man zuvor durch eine mehrfache Verwendung von G4-Sensoren Reserven gebildet, wird ein Datum für eine Ersatzlieferung nicht genannt – selbst wenn der mehrfache Ausfall von Sensoren der vorhandenen Charge weitere Ausfälle als naheliegend erscheinen lässt.
Auch der Gedanke, dass man sich dann eben für den Notfall ersatzweise auf eigene Kosten 1-2 Freestyle-Sensoren leistet, hilft dann nicht immer weiter:
Zum einen hört man von Freestyle-Nutzern, dass die (schon früher erst im letzten Moment liefernde) Firma jetzt ebenfalls die Sensorenlieferung rationiert hat: Wer ein Quartalspaket von 6-7 Sensoren erwartet, bekommt erst einmal 4 Stück. Und wer sich früher einmal gegen eine eigenmächtige Abonnementsverlängerung gewehrt hat, kann in der Freestyle- Benutzerdatenbank als Nutzer gesperrt sein. Also nun kein “bisschen Freestyle” als Ersatz.
Will man als Medronic G4-Nutzer damit den unerwarteten Lieferengpässen vorbeugen, sollte man deshalb vielleicht – wenn es der persönliche Zeitplan zulässt – gelegentlich die mehrfache Nutzung eines Sensors erproben. Das gibt dann zwar nicht immer 7 Zusatztage, aber erhöht den Bestand. Und man muss natürlich – auch wenn das z.B. auf Fahrrad-Reisen oder Flugreisen das Handgepäck unerfreulich aufbläht –  immer so viele Ersatzsensoren mitführen, dass auch der Ausfall von 3 oder mehr Sensoren keinen Versorgungsengpass verursacht. Aber müssen wir Diabetiker denn verreisen?
Jedenfalls wird unsere Leben spannender. Wie vor ca. 60 Jahren, als ich mit meinem Vater vor dem Radio saß und wir Angst vor der Kuba-Krise hatten…
 
Mit freundlichen Grüßen
Karl

Blackout

Wohl die wenigsten Leute denken aktuell bei diesem Begriff an Marc Elsbergs wirklich sehr empfehlenswerten Roman “BLACKOUT – Morgen ist es zu spät”, sondern vermutlich eher an die Gefahr eines tage- oder womöglich gar wochenlangen Stromausfalls. Nun ist für uns Diabetiker die Zeit, als wir Blutzuckerteststreifen anhand einer Farbskala auf der Teststreifenröhre auf ihren Wert bestimmen konnten, schon seit vielen Jahren vorbei. Für die, die sich noch erinnern können oder wieder erinnern möchten, sie hießen Haemo-Glukotest 20-800. Im Jahr 2004 wurde die Produktion eingestellt. Nachfolger war der Betacheck, der seit Einstellung des Insuliners im Jahr 2018 auch nicht mehr erhältlich ist. Die aktuell von uns angewandte Technik wie z.B. mein FreeStyleLibre (FSL) Lesegerät ist zwingend auf Strom angewiesen, entweder per Batterie oder per Akku, welcher wiederum aus der Steckdose aufgeladen werden muss. Als Ausweg bei einem längeren Stromausfall kann ein solar betriebenes Ladegerät dienen. Ich selbst habe mir nach einem Hinweis meiner Schwester bei der Firma Pearl die “Wetter- & stoßfeste Solar-Powerbank PB-80.s mit 8000mAh, IP65” bestellt und ausprobiert. Der aktuelle (03.12.22) Preis beträgt 25,99€ zzgl. Porto. Zunächst muss man diese Solar-Powerbank zwei Tage in die Helligkeit legen, wobei nicht zwingend Sonne scheinen maß, diffuses Tageslicht wie aktuell im Dezember reicht auch. Der in der Solar-Powerbank enthaltene Akku lädt sich dadurch auf. Anschließend kann das FSL Lesegerät mittels USB-Kabel an die Solar-Powerbank angeschlossen und wieder aufgeladen werden.

Die Solar-Powerbank zeigt mittels dreier Dioden an, wie voll sie ist, vergleichbar einem Pedelec, nur sind es hier fünf Dioden, die anzeigen, wie voll der Akku ist. Nachdem das Lesegerät des FSL wieder aufgeladen war, leuchteten nach wie vor alle drei Dioden, der Strombedarf zum Laden des FSL Lesegeräts war also eher gering. Allerdings war der Akku des FSL Lesegerät auch noch zur Hälfte gefüllt. Wer sich also angesichts der momentanen Zeiten beim Gedanken an einen Blackout unwohl fühlt, dem kann ich dieses Gerät aus eigener Erfahrung heraus empfehlen.

Schöne Grüße aus Soest und bleibt gesund
Frank

warpgondel(at)web.de

Insulin – Sportanpassung / kleine Ergänzung eines Nicht-Teilnehmers

Die Empfehlung für das Medtronic-CGM (Insulinpumpe 780G) ist ähnlich: 2 Stunden vor dem Sport bis 2 Stunden danach den Zielwert auf 150mg/dl einstellen.

Wenn der Zuckerspiegel (z.B. bei einer langen E-Bike- oder Bio-Bike-Tour) dennoch weiter fällt, wird es schwierig:

– Isst man 1-2 Sport-BE (zB Traubenzucker oder einen Müsliriegel) ohne zusätzliche Eingabe=Insulingabe, wird der Algorithmus meist durch den schwankenden Blutzucker so gestört, dass er die automatische Steuerung UND die Anzeige des BZ-Wertes zuerst für ein paar Stunden zur Neuberechnung abschaltet. Im Wiederholungsfall erklärt er den Sensor dann für defekt. Für den Anwender wäre es besser, wenn die BZ-Werte weiterhin angezeigt würden, z.B. mit einer zusätzlichen Warnmeldung. Tatsächlich lässt einen das aufwendige System aber im Stich. Die sog. KI=Künstliche Intelligenz erscheint, wenn sie sich abschaltet, mal wieder als KD= Künstliche Dummheit.

– Der Medtronic-Support empfiehlt dann, die automatische Steuerung der Insulinabgabe (SmartGuard) während der Gabe der Zusatz-BE abzuschalten. Das wäre aber nervig, weil der SmartGuard beim Wiedereinschalten meist wieder einen blutig gemessenen BZ-Wert verlangt. Und ob das kurze Abschalten hilft, erscheint fraglich.

– Bei mir hat es häufig geholfen, die Pumpe ein wenig zu belügen. Z.B. 2 BE Traubenzucker zu essen und nur 0,25 BE anzugeben. In krassen Fällen hilft – auf Empfehlung des Supports – das Abschalten der SmartGuard/Loop-Funktion für den geanzen Tag. Dann hat man zumindest eine Anzeige von BZ-Werten und kann die Basalrate selbständig anpassen. Man beaucht es z.B. für Reiseveranstalter, die kleine anstrengende Sportetappen (die den Zuckerspiegel drücken) ständig mit Snackpausen (die den Zuckerspiegel hochgehen lassen) mischen.

Ziel des Systems erscheint damit vor allem zu vermeiden, dass jemand behaupten kann, das Medtronic-System habe ungewollt zu viel Insulin gegeben. Dass es den Anwender dann, auch wenn er auf Radtour oder auf der Autobahn am Steuer sitzt, aus Vorsitsgründen plötzlich stundenlang im Stich lässt, scheint der KI/KD weniger wichtig.

Karl