Kategorie: Insulinertreffen 2019

Berichte aus den Arbeitsgruppen vom Insulinertreffen 2019 in Helmstedt

Insulinertreffen 2019 – Arbeitsgruppe: CGM-Systeme

CGM-Systeme

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verwenden (im folgenden gemeinsam als TN bezeichnet) – soweit CGM in Gebrauch ist – die Systeme Medtronic, Dexcom, Eversense und Freestyle (siehe zu FSL den Bericht vom eigenen Arbeitskreis).

Dexcom:

  • Genehmigung: Die Anforderungen an die Bewilligung waren unterschiedlich waren:  Während für die Genehmigung des G5 meist die Vorlage eines Diebetiker-Tagebuchs erforderlich war, wurde der anschließende Wechsel auf das neuere G6 in der Regel un­problematisch genehmigt.
  • Modelle: Derzeit ausgegeben wird noch der Dexcom G6.
  • Laufzeit: 10 Tage
  • Kalibrierung; In der Regel wird eine Kalibrierung nicht empfohlen; es sei denn, die Abweichung zwischen realen Werten und Sensorwerten beträgt 30% oder mehr. Ansonsten kann laut Support die Kalibrierung den Sensor durcheinanderbringen.
  • Probleme macht gelegentlich, dass der akustische untere – 55er – Alarm nur durch Tastendruck zu beenden, aber nicht komplett abschaltbar ist.

Eversense:

  • Besonderheit: Der Sensor wird operativ eingesetzt und alle 6 Monate ausgetauscht. Nur der Transmitter wird – derzeit erfahrungsgemäß ca. alle 2 Tage – aufgeladen und wieder mit Pflaster angeklebt.
  • Kalibrierung: 2x täglich erforderlich, aber sie kann auch durch Bestätigung des vom System vorgeschlagenen BZ-Wertes erfolgen.  (M.E:  Das geht ja bei der Medtronic 640G  auch durch die manuelle Eingabe eines Wertes notfalls ähnlich, ist aber i.d.R. nicht hilfreich, da bestehende Ungenauigkeiten bleiben).
  • Pflasterprobleme: nicht bekannt

Medtronic:

  • Modelle: Derzeit bei den TN vorhanden ist das Modell 640G (= Pumpe) mit Sensorsystem Guardian G2. Die Ausgabe des G2 ist aber ausgelaufen. Das neuere Modell G3 hat noch keiner der TN in Anwendung, da auch i.d.R. erst die alten G2-Sensoren des Nutzers verbraucht werden sollen. Unterschied G3 ggü. G2 ist eine andere Laufzeit (7 statt 6 Tagen) und nach Angaben des Herstellers grundsätzlich auch eine größere Genauigkeit des G3.
  • Antragsverfahren: Meist müssen Diabetiker-Tagebuch-Aufzeichnungen über 4-6 Wochen vorgelegt werden, die vereinzelt auch sehr genau geprüft werden.
  • Problem Genauigkeit:
    • Bei G2 gibt es nur sehr vereinzelt erhebliche Abweichungen zwischen Blutzuckerwerten und von der Pumpe angezeigten Werten (niedrig gegen hoch). Gewisse Abweichungen ergeben sich bei schwankenden Werten schon daraus, dass der der Gewebeflüssigkeit entnommene Wert ggü. dem BZ-Wert systembedingt ca. 15 Min. zeitverzögert ist.
    • Sehr große Abweichungen können sich dann ergeben, wenn es nach Unterzuckerung eine Gegenregulation des Körpers gibt und die Pumpe noch den Unterzuckerungs­wert anzeigt, das Messgerät aber den durch die Gegenregulation kurzzeitig hoch­geschos­senen aktuellen BZ-Wert. Oft sind die Anzeigen später wieder realistisch.
    • (Tritt dies häufiger auf, stellt sich nach meiner Ansicht  die Frage, ob der untere Ab­schaltwert der Pumpe generell oder in bestimmten Situationen wie z.B. beim Sport angehoben werden soll, um die Unterzuckerungen zu vermeiden.)
    • Bei G3 soll die Genauigkeit am ersten Tag ein großes Problem sein.
  • Problem Pflasterallergie: Probleme gibt es vereinzelt beim Klebepflaster des Sensors. Hiergegen wird empfohlen, entweder a) auf die vorherige Verwendung eines Desinfektionsmittels (nach normaler Körperreinigung) zu verzichten oder b) vor dem Setzen des Sensors das Desinfektionsmittel vollständig abtrocknen zu lassen (letzteres empfiehlt sich m.E. immer, d.h. auch beim Setzen der Nadel, um die maximale Wirkung der Desinfektion zu erzielen). M.E. kann es – z.B. bei nachhaltiger sportlicher Betätigung im Sommer – empfehlenswert sein, mit der Nagelschere im Sensorpflaster unterhalb des Sensors ein paar Luftlöcher anzubringen.

Ausblicke:

  • Bei neuen Systemen (z.B. bei der Medtronic 670G) werden erhebliche Fortschritte in Richtung LOOP erwartet, d.h. die Insulinsteuerung könnte über eine reine Abschaltfunktion bei Unterzuckerung hinausgehen.

Karl

Insulinertreffen 2019 – Arbeitsgruppe: Depression

Depression

  • Tageslichtlampe kann hilfreich sein, denn sie imitiert das Sonnenlicht.
  • Zettel z.B. an einen Spiegel hängen und positive Gedanken darauf schreiben, um das Unterbewusstsein zu beeinflussen (Präventivmaßnahme)
  • Eine Depression kann von innen (= genetisch, es fehlen Botenstoffe) oder von außen (z.B. Nachricht von einer schlimmen Erkrankung) kommen.
  • Fatigue-Syndrom = chronische Müdigkeit
  • Frühkindlicher Diabetes kann schon der Anfang einer Depression sein: Man will die Eltern nicht durch Therapiefehler enttäuschen und man muss immer stark sein. Das kostet viel Kraft; mal richtig losheulen baut Druck ab.
  • Vitamin D-Spiegel überprüfen lassen

Cordula

Insulinertreffen 2019 – Pilzwanderung

Pilzwanderung Insulinertreffen Helmstedt 2019 – (C) beim Autor des Beitrags

Bei unserem kleinen Waldspaziergang  haben wir folgende Pilze entdeckt:
Die Wiesenchampignons standen direkt auf der Wiese zu den Häusern Berlin und Weimar. Dann sahen wir im Wald zuerst die Tintlinge, jung schmecken sie sehr gut. Der Tintling ist aber ein empfindlicher Pilz, der leicht anfängt zu blauen. Wenn dieser Pilz etwas älter wird, sieht es aus, als ob Tinte heraus läuft; dieser Pilzsaft ist früher auch als Tinte benutzt worden. Dann haben wir kleine weiße Flaschenboviste entdeckt. Wie jeder Pilz sind sie nur im jungen Zustand gut verträglich, denn dann sind sie noch fest und rein weiß. Wenn sie älter werden, sind sie weich und man kann den Pilz eindrücken. Wenn man den Flaschenbovist anschneidet und er von innen dunkel ist, heißt es wegwerfen. Als letztes haben wir noch einen schönen großen Parasol entdeckt. Dieser Pilz schmeckt sehr gut , wenn der Pilzhut wie ein Schnitzel in der Pfanne gebraten wird.

Petra

Insulinertreffen 2019 – Arbeitsgruppe: Insuline Fiasp, Humalog und Tresiba

Insuline Fiasp, Humalog und Tresiba

An der Gruppe haben ca. 25 Insuliner teilgenommen. Im Vordergrund stand der Vergleich zwischen Fiasp und Humalog sowie die Nutzung des Tresiba als Basalinsulin unter ICT.

Die anwesenden Insuliner, die bereits von Humalog auf Fiasp gewechselt hatten, waren einstimmig der Ansicht, dass Fiasp schneller anflutet als Humalog. Alle Fiasp-Nutzer stellten allerdings auch wiederum einstimmig fest, dass Fiasp im Vergleich mit Humalog im Gegensatz zu den Versprechungen des Herstellers nicht kürzer wirkt.

Einige Anwender hatten testweise ihre Pumpen mit Fiasp statt mit Humalog gefüllt. Etwa die Hälfte hat gute Erfahrungen damit gemacht, etwa die Hälfte konnte keine Veränderung feststellen..

Zwei der anwesenden ICT-Insuliner haben ihr bisher verwendetes Basalinsulin (einmal Insuman Basal, einmal Toujeo) auf Tresiba umgestellt. Beide berichten vor allem nachts von einem deutlich besser verlaufenden BZ ohne Hypoglykämien bei gleichzeitg besseren Nüchternwerten. Als weiterer Vorteil wurde die lange Wirkdauer des Tresiba genannt. Hierdurch entstehen Überlappungen im Wirkungsverlauf, die dazu führen, dass Tresiba nicht unbedingt zwingend zur gleichen Uhrzeit injiziert werden muss. Als Nachteil wurde genannt, dass bei sehr ausdauernder sportlicher Tätigkeit (z.B. Fahrradtour) eine Absenkung des Basalinsulins aufgrund der langen Wirkdauer nicht zielführend ist. In diesem Fall kann nur dagegen angegessen werden.

Frank

Insulinertreffen 2019 – Arbeitsgruppe: Eisenmangel und falscher HB1C

Eisenmangel und falscher HB1C

Letzte Zeit habe ich durch Vergleiche von meinem guten HB1C von 6,6 mit den Durchschnittswerten von meinem CGM Systen festgestellt, dass der HB1C eher 7,7 sein müsste. Ich weiß seit einigen Jahren, dass ich immer wieder eine Eisenmangel habe, meine HB, Ferrit Werte und die Erythrozyten sind zu niedrig.

Verschiedene Studien zu diesem Thema sagen, dass Menschen mit einem Eisenmagel falsch zu hohe HB1C Werte haben, während andere davon sprechen, dass Menschen mit einer Anämie falsch zu niedrige HB1C Werte haben. Die Begründung bei den zu hohen Werten ist, dass bei einem Eisenmangel und einer Eisenmangelanämie die Lebenszeit der roten Blutkörperchen verlängert wird. Während die andere Theorie meint, bei Typ2 Diabetikern festzustellen, dass der HB1C falsch zu niedrig ist, weil die roten Blutkörperchen durch die Verzuckerung zu früh absterben, also nicht 3 Monate alt werden und das wiederum zu einem Eisenmangel führen kann.

Meine Ärzte kontrollieren seit Jahren immer wieder meinen Darm auf Blutverlust. Ein Eisenmagel kann auf einen Blutverlust hindeuten, einen Tumor im Darm oder einen Morbus Crohn. Ein Eisenmangel kann auch auf Nierenprobleme hinweisen, weil nicht genügend neue rote Blutkörperchen erzeugt werden. Als Diabetiker sollten wir bei einem Eisenmangel die Nierenwerte im Auge behalten. Bei einem Eisenmangel sollte man auch das Herz im Auge behalten. Eisenmangel ist eine der häufigsten Ursachen für eine Herzinsuffzienz.

Petra

Insulinertreffen 2019 – Arbeitsgruppe: Hypertonie

Hypertonie

In der Gesprächsrunde habe ich über die Behandlungsmöglichkeit mit einem Barorezeptorstimulator für eine schwere therapierefraktäre arterielle Hypertonie berichtet. Wichtig waren mir folgende Punkte:

Diese Behandlung erfordert eine OP, bei der der Stimulator an der Halsschlagader am Carotisbogen, wo sich die Barorezeptoren befinden, befestigt wird und der Impulsgeber unterhalb des Schlüsselbeines, dort wo sich auch ein Herzschrittmacher befinden kann, implantiert wird.

Um zu so einer Behandlung zu kommen, muss der Blutdruck mit mindestens 3 verschiedenen Antihypertensiva und einem Diuretikum behandelt werden und keine ausreichende Wirkung erzielt haben. Ich habe berichtet, dass ich vor meiner Implantation elf verschiedene blutdrucksenkende Medikamente, einschließlich eines Ausnahmemedikaments, einnahm, ohne eine ausreichende Drucksenkung zu erreichen.

Bei den meisten Menschen, bei denen der Blutdruck mit einem Barorezeptorstimulator gesenkt wird, kann eine Blutdrucksenkung von 30 mmHg erreicht werden. Bei ca. 25% funktioniert das aber nicht.

Nach der Implantation sind vierteljährliche Kontrollen und Optimierungen der Einstellung erforderlich. Der Impulsgeber muss ca. alle 3 Jahre durch eine OP getauscht werden.

Bei mir funktioniert diese Behandlung gut. Ich konnte schon einige Medikamente absetzen oder reduzieren. Meine Lebensqualität hat sich wesentlich gebessert.

Michael